Aktuelles in den nächsten vierzehn Tagen

Gottesdienst am kommenden Sonntag, den 25. September um 10 Uhr in der Kapelle Sankt Blasien mit Pastor Geiken

 

Gottesdienst zum Erntedank am Sonntag, den 2. Oktober um 10 Uhr im Pfarrgarten mit Pastor Geiken

 

Andacht zum Herbst 2022

Liebe Leserin, lieber Leser,
"Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott." (siehe Bild "MonatsspruchJuli2022.jpg")
Eigentlich ist es die Losung für den Monat Juli.
Aber dieser Bibelvers passt für den ganzen Sommer und den Herbst 2022!
Ein regenarmer Sommer mit hohen Temperaturen bis 38 ° C im Schatten. Wer etwas ernten wollte, musste viel Wasser investieren. Salat und Kohl wuchsen spärlich, die Beeren vertrockneten am Busch, wenn man nicht ausreichend wässerte.
Der Rasen ist schon lange braun. Und auch die jungen Bäume lassen die Blätter hängen.
Gut ist es, dass auch das Unkraut in diesem Sommer nicht so schnell wächst.
Die Gefahr von Flächenbränden und Waldbränden wächst. Im Harz wurden etliche Hektar Wald vernichtet. Die Talsperren liegen nur noch bei 20 % Wasserkapazität und der Rheinpegel bei Emmerich lag heute (16.August) bei Null.
Die Schifffahrt ist betroffen, aber auch die Gemeinden und Landkreise schränken die Wasserentnahme ein. Eine nationale Wasserstrategie ist nun in Planung.
Auch privat überlegen wir, wie Wasser gespart werden kann.
Wassertonnen, um das Regenwasser aufzufangen, kennt jeder Gärtner. Aber auch im Haushalt kann man Wasser, das z.B. zum Ausspülen der Kaffeekanne benutzt wurde, auffangen und zum Blumengießen nehmen.
Nur 0,02 % des Wassers auf der Erde ist nutzbares Süßwasser. Dabei steigt der Bedarf an Süßwasser laut UN im Jahr um 1%.
Vier Milliarden Menschen, also rund die Hälfte der Weltbevölkerung, erleben mindestens einen Monat im Jahr Wasserknappheit.
Bisher war Wasserknappheit in unseren gemäßigten Regionen kein Thema. Aber auch bei uns wird nun überlegt, was man tun (oder lassen) kann, um Wasser zu sparen.
„Eine neue Wasser-Kultur muss erprobt, ein neues Wasser-Ethos entwickelt werden.“
So fasst es Professor Dr. Dieter Gerten in seinem Buch „Wasser“ zusammen.
In Israel musste man immer schon mit dem Wasser haushalten. So war man froh um den Tau am Morgen, der die Felder benetzte und der den Segen der Fruchtbarkeit brachte (Psalm 133, Vers 3). Gottes Heilshandeln wird beim Propheten Hosea wie ein Tau beschrieben: „Ich will für Israel wie der Tau sein, dass es blüht wie eine Lilie und seine Wurzeln ausschlagen wie der Libanon und seine Zweige sich ausbreiten, dass es so schön sei wie ein Ölbaum und so guten Geruch gebe wie der Libanon.“ (Hosea 14, Verse 6 und 7).
Wenn man mit Wasser haushalten muss und sicherlich auch das Gefühl von Durst hat, dann ist es verständlich, wenn Durst auch als Bild für die Sehnsucht nach Gott genommen wird.
Als Bild für die Sehnsucht nach dem lebendigen Wasser Gottes.
Als Jesus mit der Samariterin spricht, gibt er ihr eine Verheißung:
„Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4,Verse 13 und 14).
Durst nach Gott. Durst nach dem lebendigen Wasser, das Gott uns schenkt.
Gut, dass wir die Quelle kennen!
Amen

Andacht zum Sommer 2022

Liebe Leserin, lieber Leser,
An-Gedacht
„Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ oder „Zieht eure Rüstung an!“
Epheser 6,10-17
Werdet stark durch eure Verbundenheit mit dem Herrn.
Lasst euch stärken durch seine Kraft.
Legt alle Waffen an, die Gott euch gibt.
Dann könnt ihr dem Teufel und seiner Hinterlist widerstehen.
Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut. Er richtet sich gegen die Mächte und Gewalten, die Weltenherrscher, die diese Finsternis regieren.
Ja, er richtet sich gegen die bösen Geister, die im Reich der Lüfte herrschen.
Deshalb sollt ihr zu allen Waffen greifen, die Gott euch gibt.
Damit könnt ihr in den schlimmen Tagen Widerstand leisten. Und wenn ihr alles richtig zum Einsatz bringt, könnt ihr dem Angriff standhalten.
Also haltet stand! Tragt die Wahrheit als Gürtel um eure Hüfte und zieht die Gerechtigkeit als Brustpanzer an. Und tragt an euren Füßen als Schuhe die Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden zu verkünden. Was auch kommen mag: Ergreift als euren Schild den Glauben! Mit ihm könnt ihr alle brennenden Pfeile abwehren, die der Böse gegen euch schießt. Nehmt als Helm eure Rettung in Empfang. Und lasst euch das Schwert geben, das der Heilige Geist euch schenkt: das Wort Gottes.

In langen Reihen hängen sie an der Wand: die Rüstungen in Europas größter Rüstkammer im Rathaus meiner Heimatstadt Emden.
Sie zeugen davon, wie man sich in den vergangenen Jahrhunderten rüstete, um einem Feind entgegenzutreten, der die Stadt bedrohte.
Lange schon sind die Rüstungen und die Waffen nicht mehr benutzt worden, obwohl sie auf Hochglanz poliert sind.
Die Zeiten haben sich geändert. Sie sind aber leider nicht friedlicher geworden, obwohl wir nach dem Ende des 2.Weltkrieges 77 Jahre lang Frieden hier bei uns in Europa genießen durften.

Seit dem 24.Februar herrscht Krieg bei uns in Europa, der auch uns in Deutschland betrifft und treffen wird.
Es geht um unsere Energie. Es geht ums Gas und ums Öl.
Es geht um Nahrungsmittel. Es geht um Korn für Brot. Auch bei uns ist das Mehl teurer geworden – für die Menschen, die sowieso kaum was zu essen haben, ist es eine Katastrophe!
Es geht schließlich auch um Waffen für die um ihre Freiheit ringende Bevölkerung der Ukraine.
Nicht nur Handfeuerwaffen, auch Schützenpanzer und vielleicht auch Kampfpanzer sollen in die Ukraine geliefert werden.
Der Schock des russischen Angriffs sitzt tief.
Deshalb will die Regierung in die Ausrüstung der Bundeswehr nun
100 Milliarden Euro in Form eines Sondervermögens investieren.
Der Verteidigungsetat soll auf 2 % des Bruttoinlandsproduktes steigen.
„Der Krieg in der Ukraine zeigt eindringlich, wie wichtig militärische Stärke ist, um unsere Freiheit in Europa zu schützen“, betonte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht.
Angesichts des Angriffskrieges in der Ukraine wurden viele Friedens-Positionen verworfen. Und auch die christliche Friedensethik steht auf dem Prüfstand.
Es ist wie bei dem Kinderspiel aus meiner Kindheit:
„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“
„Niemand!“
„Und wenn er kommt?“
Plötzlich wird alles ganz anders angesehen und gedacht.
Worte wie „Feindesliebe“ oder „Vergebung“ bekommen plötzlich wieder eine ganz neue Bedeutung angesichts eines aktuellen Krieges und eines realen Feindes, der brutal zuschlägt.
Jesus Christus sagt: „Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen! So werdet ihr zu Kindern eures Vaters im Himmel.“ Matthäus 5,44.45).
Und in der Bergpredigt: „Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen.“ (Matthäus 5,9).
Um diese Worte unseres Herrn und Meisters kommen wir nicht herum.
Sie sind eindeutig und sie sollen unser Handeln als Christinnen und Christen bestimmen.
Was also tun?
Angesichts des Krieges sind wir ratlos.
Der Friedensbeauftragte der EKD, Friedrich Kramer, bringt es auf den Punkt: „Im Krieg gibt es eigentlich immer nur Falsch oder Falscher.“
Der Verfasser des Epheser-Briefes sagt:
„Zieht eure Rüstung an!“
Ihr habt eine Rüstung, die euch – umfassend - schützt!
Denn es geht nicht um menschliche Feinde, sondern um die Mächte des Bösen schlechthin, die euch bedrohen.
Dagegen hilft die Rüstung mit ihren umfassenden Eigenschaften:
Wahrheit als Gürtel
Gerechtigkeit als Brustpanzer
Schuhe der Guten Nachricht der Friedensverkünder
Schild des Glaubens
Helm der Rettung
Schwert des Heiligen Geistes: das Wort Gottes.
„Und wenn ihr alles richtig zum Einsatz bringt, könnt ihr dem Angriff standhalten.“
Ziehen wir also diese Rüstung an!
Sie hat in all den Jahren noch keinen Rost angesetzt und muss vielleicht nur ein wenig aufpoliert werden!
Herzlichst – Ihr Pastor Detlef Geiken

Das Leben ist Veränderung

Lieber Leser, liebe Leserin,

Leben heißt Veränderung. Heißt Abschied nehmen von Vertrauten und etwas Neues beginnen lassen. Manchmal geschehen die Veränderungen in unserem Leben nur langsam, so dass wir sie kaum wahrnehmen. Es braucht dann einen längeren Zeitabschnitt, damit wir begreifen, dass sie stattgefunden haben und vieles nicht mehr ist, wie es war. Manchmal allerdings finden die Veränderungen von heute auf morgen statt. Dann braucht unsere Seele eine Weile, um in der neuen Wirklichkeit anzukommen.

Bei uns, meiner Frau und mir, findet gerade so ein Wechsel statt. In wenigen Wochen beginnt unser Ruhestand - was immer das auch im Einzelnen bedeuten wird. In jedem Fall: In Zukunft werden die beruflichen Verpflichtungen entfallen und unser Engagement wird von nun an freiwillig sein. So wie bei allen anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Gemeindearbeit auch. Gut so!

Die anstehende Veränderung wird selbstverständlich nicht nur uns, sondern auch die Gemeinden Northeim und Angerstein betreffen. Die gemeinsame Pfarrstelle wird ab 1. April vakant sein. Dann wird sie, wie wir hoffen, umgehend zur Neubesetzung freigegeben werden. Bald schon kann dann ein neuer Pastor oder eine neue Pastorin den Dienst antreten. Sollte dies wider Erwarten nicht geschehen - so haben es die Kirchenräte der beiden Gemeinden schon angekündigt - wird auch eine größere organisatorische Selbstständigkeit in die nähere Planung genommen werden. Dann werden hier und jetzt schon tiefergreifende Veränderungen einzuleiten sein, die, wie ich denke, früher oder später ohnehin auf die Kirchen zukommen werden.

Worin bestehen diese Veränderungen? Sie bestehen darin, dass wir Christen Abschied von der Volkskirche nehmen. Zugegeben: das haben nicht wenige Fachleute schon vor vierzig Jahren vorhergesagt und der Abschied hat sich langsamer vollzogen als es viele vermutet haben. Aber die Entwicklung, die schon zu Beginn meiner Berufstätigkeit zu erkennen war, sie ist nun, wie ich meine, noch offenkundiger geworden und vor allem: unumkehrbar.

Natürlich gehört zum Ende der Volkskirche auch ein grundlegender institutioneller Wandel. Das System aus landeskirchlicher Amtskirche auf der einen und vereinsmäßig organisierter Ortsgemeinde auf der anderen Seite ist nur noch wenig hilfreich, oft sogar hinderlich und außerdem zu teuer geworden. Statt seelsorgerisch mit uns anvertrauten Menschen zu arbeiten, Gemeindeaufbau voranzubringen und theologisch überzeugende Antworten auf die Fragen der Zeit zu suchen, sind wir mit Verwaltungsaufgaben belastet und bemühen uns immer wieder nur, den allgemeinen Rückgang der Ressourcen leidlich zu bewältigen.

Deshalb wird ein notwendiger Schritt darin bestehen, die Selbstständigkeit der Gemeinden wiederherzustellen. Ich denke, die Emder Synode hat da vor 450 Jahren durchaus Richtungsweisendes auf den Weg gebracht: Jede Gemeinde regelt ihre Angelegenheiten weitestgehend selbstständig, nur was auf Gemeindeebene nicht entschieden werden kann, wird an die nächste synodale Instanz weitergeleitet. Es ist gewiss kein Zufall, dass sich die Kirchen in Nordamerika, trotz gleicher reformatorischer Wurzeln, so ganz anders, nämlich viel stärker als Gemeindekirchen, entwickelt haben als bei uns.

Aber hier skizzierten strukturellen Veränderungen sind, wenngleich notwendig, so doch zweitrangig. Worauf es vielmehr ankommt ist zu verstehen, dass die Krise der Kirche eine geistliche Krise ist. Sie wird deshalb auch nicht mit Strukturreformen, sondern nur mit geistlichen Mitteln zu bewältigen sein. Die Tragik der Volkskirche besteht darin, dass sie dies nicht einsehen kann, weil ihr erstes Interesse, dem Erhalt der Institution gilt. Weil sie keinen Kirchensteuerzahler verlieren will, ist sie bis zur Konturenlosigkeit beliebig und betulich geworden und wird gerade so, in einer Zeit, die wie selten zuvor, nach Identität verlangt, immer unkenntlicher bis sie schließlich gänzlich irrelevant geworden ist. Oder sie sucht ihr Heil im jeweiligen Mainstream und bietet sich zum Echoraum des „woken“ Zeitgeistes an, der sie dann ab und zu am Katzentisch der talkshows dabeisitzen lässt. Aber auch die dort versammelten ewigheutigen Kirchenmenschen erzeugen vor allem das Eine: Langeweile. Das Einzige, was aus dieser Langeweile dann noch gelegentlich aufwecken kann, ist ein Skandal, durch den alle in höchster Betroffenheit erfahren, was sie immer schon wussten. Vor allem auch das: dass sie, die Menschen der kirchenfernen Mehrheitsgesellschaft, in Wirklichkeit die besseren Christen sind: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin, wie jener Papst dort...

Worauf es heute ankommt ist nicht weniger, als die Neuentdeckung des Evangeliums für die Menschen des 21. Jahrhunderts. Das hat bei uns, den Verantwortlichen in der Gemeindearbeit, zu beginnen: Wir, Kirchenälteste und Pastoren, haben zunächst das Evangelium für uns neu zu entdecken. Nicht, dass das einfach machbar wäre oder von unserem guten Willen abhinge. Aber wir haben zumindest die Zusage, dass der Bitte um den Geist auch die Inspiration folgen wird. Dann werden wir statt der Spreu schon Weizenkörner finden und sie werden unter seinem Segen zunächst bei uns und dann auch anderswo ihre Frucht tragen.

Wenn wir den Glauben zwar nicht machen können, dann können wir doch zumindest das Eine: Nämlich die Frage nach dem Glauben und nach den Konsequenzen des Unglaubens offensiv in die Gesellschaft hineintragen. Auch und gerade zu den Menschen, die meinen, ohne Glauben leben zu können oder denken, "die " Wissenschaft könne den Glauben ersetzen. Dagegen gilt es deutlich zu machen, dass eine Wissenschaft, die an die Stelle des Glaubens tritt, zu einer Ersatzreligion verkommt, die wie alle Ersatzreligionen in der Gefahr steht, inhumane, weil totalitäre Folgen mit sich zu bringen. Der Impfzwang, um nur ein Beispiel zu nennen, rückt dann in beklemmende Nähe zur Zwangstaufe. Galt es bei dieser, die Seelen unwissender Wilder zu retten, so will jener das diesseitige Heil den dummen Wissenschaftsleugnern vermitteln. Beides ist zum Misslingen verurteilt, denn wahrer Glaube und wahres Wissen brauchen jeweils Freiheit, die allein aus Überzeugung erwächst.

Nein, die Fragen des Glaubens, die Fragen nach dem Sinn, nach dem Woher und Wohin, die Fragen nach dem richtigen Leben, nach dem letzten Trost im Leben und im Sterben, beantwortet keine Wissenschaft. Sie können nur durch den Glauben beantwortet werden und jeder Mensch muss sich ihnen früher oder später stellen, wenn er nicht beharrlich verdrängen will.

Dagegen haben wir die uralte Botschaft vom Glauben, der Hoffnung und der Liebe, die stärker ist als der Tod, neu zu hören, neu zu verstehen und dann auch neu weiterzusagen. Wir haben, in einer sich polarisierenden Gesellschaft darauf zu verweisen, dass wir vor Gott alle und allzumal Sünder*innen sind, die der Ehre ermangeln. Zu selbstverliebter Selbstgerechtigkeit und pharisäerhafter Sündenbocksuche also gar kein Anlass besteht, sondern wir vielmehr zu einem Leben bestimmt sind, das aus der Quelle gegenseitiger Vergebung in Wahrhaftigkeit schöpft. Dass die Konzentration auf die Kernbotschaft christlichen Glaubens dabei, jenseits aller Parteipolitik, durchaus auch ihre Relevanz für Gegenwartsfragen entfaltet, wird dann immer wieder, auch auf durchaus unbequeme Art und Weise, deutlich werden.

Und schließlich: Gegen einen trostlosen Materialismus und Ersatzreligionen aller Art heißt es, die Bibel, als die Expertin für Glaubens- und Lebensfragen mit einer die Irritationen nicht scheuenden, postnaiven Gelassenheit ins Gespräch zu bringen. Jenseits von fundamentalistischer Verengung und ganz sicher auch jenseits von liberaler Beliebigkeit. Natürlich dürfen wir die Bibel historisch verstehen und kritisch befragen. Sie hält das aus, solange wir nicht ihrem Anspruch ausweichen, sondern uns in aller Demut unter ihr Wort stellen. Denn diesbezüglich gilt nach wie vor: Die göttliche Torheit ist und bleibt weiser als die menschliche Weisheit.

Mit der Bibel in der einen und der Tageszeitung in der anderen Hand können wir dann auch allen kommenden Veränderungen zuversichtlich entgegensehen und entgegengehen. Sollen sie nur kommen, solange er, der Eine, uns denn an der Seite bleibt: gestern, heute und in Ewigkeit.

René Lammer, Pastor

 

Ein Augenblick voller Gegenwart

Liebe Leserin, lieber Leser,

so ein Wort. So ein Wort am Ende. Das wäre gut. Damit könnte der Abschied gelingen. Damit könnte auch etwas Neues beginnen.
Ein Wort, gesprochen von einem alten Mann. Er spricht es am Ende seines Lebens, als man ein kleines Kind zu ihm bringt. Er nimmt das Kind auf seine Arme und lobt Gott:
Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren.
Ein Greis und ein neugeborenes Kind. Da berühren sich Vergangenheit und Zukunft in einem Augenblick voller Gegenwart. Der Alte weiß es, kann es handfest spüren: Es wird weitergehen, auch wenn es mit ihm selbst zu Ende geht. Das Kind wird laufen lernen. Es wird die Welt entdecken, wird sie wahrnehmen, erforschen, verändern. Das Kind wird dort weitermachen können, wo er selbst aufhören musste. Wird vielleicht sogar die Bruchstücke seines Lebens zusammenfügen können, so dass schließlich ein klares Bild entsteht. Ein Bild, das Sinn macht. Damit seine Hoffnung nicht vergeblich war, seine Mühen nicht ins Leere liefen.
Ein Greis und ein neugeborenes Kind. Da berühren sich Vergangenheit und Zukunft in einem Moment voller Gegenwart. Und wir spüren: Wie wichtig es ist, dass die Alten und die Jungen zusammentreffen und ihre Welten teilen. Denn die Lebensgeschichte des Alten ist ja auch für den Jungen eine prägende Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reicht. Nur wenn die Jungen diese Geschichte begreifen, sie sich aneignen, werden sie sich selbst verstehen, werden das Kommende verantwortlich aufbauen können. Um es mit August Bebel zu sagen: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, versteht die Gegenwart nicht und kann die Zukunft nicht gestalten.“
Wenn die Jungen die Alten dagegen nur brauchen, um ihnen Verfehlungen vorzuwerfen und sich selbstgerecht abzugrenzen, misslingt die Begegnung. Genauso wie andersherum: Wenn die Alten die Jungen nicht mehr verstehen – verstehen wollen – und nur für maßlos halten.
Ein Greis und ein neugeborenes Kind. Da berühren sich Vergangenheit und Zukunft in einem Moment voller Gegenwart. Das Kind, das der greise Simeon in den Armen hält, ist allerdings nicht nur eines von Millionen namenlosen, wunderbaren Kindern. Das Kind auf seinem Arm ist Jesus, Marien Sohn. In ihm, so wird man sagen, ist die ganze Fülle der Gottheit anwesend. Deshalb wird er wahrer Mensch sein. Ein Mensch wie Gott ihn ursprünglich entworfen hatte. Ganz wird er für Gott und ganz wird für den Mitmenschen da sein: als Gestalt gewordene Liebe. Einer Liebe, die sogar stärker ist als der Tod.
Wenn die Alten und die Jungen gemeinsam auf dieses Kind schauen, werden sie sich in aller gebotenen Demut begegnen: An der Schnittstelle von Vergangenheit und Zukunft im Augenblick der Gegenwart. Auch und gerade: im Gottesdienst. Auch und gerade: am Heiligen Abend. Herzlich
René Lammer, Pastor

Was hat Gott mit Corona zu tun?

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ist es Gott gewesen, der uns die Corona Pandemie geschickt hat? Oder lässt sich, aus der Perspektive des Glaubens heraus, der gegenwärtigen Krise wenigstens Sinn abgewinnen? Ich weiß, das sind verwegene Fragen, aber, was meinen Sie, warum gerade Verschwörungstheorien so eine Konjunktur haben? Auch deshalb, weil wir Menschen uns zu recht sehr schwer damit tun, Sinnlosigkeit zu akzeptieren. Und deshalb die berechtigte Frage: Lässt sich hinter dem Auftauchen des Virus, und wie wir Menschen weltweit damit umgehen, irgendein Sinn erkennen?

Es ist ja erstaunlich schweigsam diesbezüglich von offizieller kirchlicher Seite. Ein Kollege sagte neulich gar: Die Kirche muss ja nicht zu allem etwas sagen…. Tatsächlich nicht? Hat sie nur etwas zu Flüchtlingselend und Klimawandel zu sagen und uns jetzt vor allem über die neuesten Hygienemaßnahmen zu informieren?

Nun, ich bin sicher: Wir haben etwas mehr zur Sache und zur Seuche zu sagen. Und zwar zumindest zweierlei:

1. In Psalm 90 betet ein gläubiger Mensch: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Corona lässt sich als direkte Antwort auf diese Bitte verstehen. Denn Corona hat uns gelehrt, dass wir sterben müssen. So halten es gar 28 Prozent der deutschen Bevölkerung für gut möglich, im nächsten halben Jahr lebensgefährlich an dem Virus zu erkranken. Das ist zwar tatsächlich mehr als unwahrscheinlich, aber es ist doch gut und richtig, wenn wir uns unserer Endlichkeit bewusst werden, anstatt den Tod permanent zu verdrängen. Als käme er „irgendwann“ einmal… Übrigens, der Psalmist betet: Lehre uns bedenken….damit wir klug werden. Also nicht panisch werden, nicht ängstlich werden, nicht depressiv werden, sondern klug. Und das heißt: Dass wir uns vom Unsterblichkeitswahn verabschieden. Es bedeutet: Die Zeit, die uns gegeben ist, sinnvoll zu nutzen. In der Gegenwart bewusst zu leben. Zu tun, was zu tun ist. In Ordnung zu bringen, was in Ordnung zu bringen ist. Heute noch!

2. In der Bibel wird berichtet, dass Gott zehn Plagen über Ägypten schickt. Damit der Pharao, der aus Angst und Machtgier die hebräischen Knaben tötete, zur Einsicht käme und die Sklaven in die Freiheit entließe. Mit den Plagen wird also Druck gegen den mächtigen Herrscher aufgebaut. Die Plagen fangen ziemlich harmlos an, steigern sich aber mit der Zeit, weil der Pharao uneinsichtig bleibt. Erst als der erstgeborene Sohn in jeder ägyptischen Familie stirbt, lässt er das unterdrückte israelitische Volk ziehen. Und ändert dann doch wieder seine Meinung, jagt den entflohenen Sklaven nach und ersäuft mit Ross und Reiter im Roten Meer.

Warum sollte denn Corona nicht eine dieser noch vergleichsweise (!) harmlosen Plagen sein? Damit wir zur Einsicht kommen. Damit wir – siehe oben – klug oder wenigstens ein bisschen klüger werden. Und begreifen: Wir sind endliche Wesen auf einem endlichen Planeten und die angemessene Haltung, die wir einnehmen sollten, ist die der schlichten Demut. Demut gegenüber dem Schöpfer und Respekt gegenüber den Mitgeschöpfen. So könnte die Plage uns helfen, den Hochmut, der bekanntlich vor dem Fall kommt, zu verlieren. Und zur grundlegenden Erkenntnis führen: Lives matter!

Herzlich

René Lammer, Pastor

Wer etwas zu sagen hat

Liebe Leserin, lieber Leser,

Paulus hat etwas zu sagen. Er sagt es im Gespräch unter vier Augen. Er sagt es auf dem Marktplatz. Er sagt es in seinen Briefen. Seine Briefe sind offene Briefe. Sie werden in den Gemeinden vorgelesen und diskutiert. Man schreibt sie ab, über Kuriere verteilt man sie weiter. Bald ist ihr Inhalt im ganzen römischen Reich bekannt. Der offene Brief ist in der antiken Welt ein effektives Kommunikationsmittel. Es sind die von Hand geschriebenen Briefe des Paulus, die die Welt verändern.

Martin Luther hat etwas zu sagen. Er sagt es in vertraulichen Gesprächen. Er sagt es in öffentlichen Lehrveranstaltungen. Er sagt es in hunderten von Schriften. Die neu erfundene Gutenbergpresse verbreitet seine theologischen Erkenntnisse rasend schnell im ganzen Deutschen Reich. Der Druck mit wechselnden Lettern ist ein bahnbrechendes Kommunikationsmittel. Es sind die gedruckten Schriften Luthers, die die Welt verändern.

Wir haben etwas zu sagen. Bei den Besuchen in den Häusern der Menschen. In den Gottesdiensten. In den neuen sozialen Netzwerken. Mit E-Mail und Chat, Homepage und YouTube Botschaften. Das Internet ist ein revolutionäres Kommunikationsmittel. Es verändert die Welt. Verändern auch wir die Welt mit mit unserer Botschaft in den digitalen Medien?

Schon klar: Was Paulus, was Luther, was wir zu sagen haben, ist das Entscheidende. Nicht, welche Mittel wir dafür nutzen. Aber wenn wir etwas zu sagen haben, dann sollte uns jedes Mittel recht sein. Auch, wenn nicht jedes Mittel heute jeden erreicht. Was haben wir heute zu sagen? Es ist dasselbe, was Paulus und die Reformatoren vor uns gesagt haben. Es kommt nicht aus uns. Wir haben es gehört, wir haben es geglaubt und wir haben es weiterzugeben. So gut wir können. Es mag mehr oder weniger überzeugend sein. Aber es ist dieselbe Botschaft, die die Welt sich nicht selbst sagen kann und ohne die die Welt sich selbst überlassen bleibt. Ohne die die Welt in Angst, in Lüge, in Misstrauen zu torkeln beginnt. Und in Verschwörungstheorien versinkt. Was wir weitergeben ist die Botschaft von Kreuz und Auferstehung, es ist die Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes. Die haben wir zu hören, zu verstehen und weiterzusagen. Damit jeder sie hört, sie versteht und weitersagt. Und so selbst zu einem lebendigen Brief Christi wird.

Herzlich

René Lammer, Pastor

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