Wer etwas zu sagen hat

Liebe Leserin, lieber Leser,

Paulus hat etwas zu sagen. Er sagt es im Gespräch unter vier Augen. Er sagt es auf dem Marktplatz. Er sagt es in seinen Briefen. Seine Briefe sind offene Briefe. Sie werden in den Gemeinden vorgelesen und diskutiert. Man schreibt sie ab, über Kuriere verteilt man sie weiter. Bald ist ihr Inhalt im ganzen römischen Reich bekannt. Der offene Brief ist in der antiken Welt ein effektives Kommunikationsmittel. Es sind die von Hand geschriebenen Briefe des Paulus, die die Welt verändern.

Martin Luther hat etwas zu sagen. Er sagt es in vertraulichen Gesprächen. Er sagt es in öffentlichen Lehrveranstaltungen. Er sagt es in hunderten von Schriften. Die neu erfundene Gutenbergpresse verbreitet seine theologischen Erkenntnisse rasend schnell im ganzen Deutschen Reich. Der Druck mit wechselnden Lettern ist ein bahnbrechendes Kommunikationsmittel. Es sind die gedruckten Schriften Luthers, die die Welt verändern.

Wir haben etwas zu sagen. Bei den Besuchen in den Häusern der Menschen. In den Gottesdiensten. In den neuen sozialen Netzwerken. Mit E-Mail und Chat, Homepage und YouTube Botschaften. Das Internet ist ein revolutionäres Kommunikationsmittel. Es verändert die Welt. Verändern auch wir die Welt mit mit unserer Botschaft in den digitalen Medien?

Schon klar: Was Paulus, was Luther, was wir zu sagen haben, ist das Entscheidende. Nicht, welche Mittel wir dafür nutzen. Aber wenn wir etwas zu sagen haben, dann sollte uns jedes Mittel recht sein. Auch, wenn nicht jedes Mittel heute jeden erreicht. Was haben wir heute zu sagen? Es ist dasselbe, was Paulus und die Reformatoren vor uns gesagt haben. Es kommt nicht aus uns. Wir haben es gehört, wir haben es geglaubt und wir haben es weiterzugeben. So gut wir können. Es mag mehr oder weniger überzeugend sein. Aber es ist dieselbe Botschaft, die die Welt sich nicht selbst sagen kann und ohne die die Welt sich selbst überlassen bleibt. Ohne die die Welt in Angst, in Lüge, in Misstrauen zu torkeln beginnt. Und in Verschwörungstheorien versinkt. Was wir weitergeben ist die Botschaft von Kreuz und Auferstehung, es ist die Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes. Die haben wir zu hören, zu verstehen und weiterzusagen. Damit jeder sie hört, sie versteht und weitersagt. Und so selbst zu einem lebendigen Brief Christi wird.

Herzlich

René Lammer, Pastor

Furchtlos. Beharrlich. Aufrecht.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Liebe Leserin, lieber Leser, Die Grafik in der Mitte ist denkbar schlicht. Auch die Aufgabe, die der Psychologe Solomon Asch dazu stellte: Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, welcher der drei rechten Balken gleich hoch wie der linke Balken wäre. Wenn Sie jetzt nicht die falsche Brille aufhaben, werden Sie auch zu den 95 Prozent gehören, die sagen: der rechte,, selbstverständlich.

Das Besondere des Experiments war allerdings, dass man die gleiche Frage dann Probanden stellte, die sich in einer Gruppe befanden, die vorher instruiert wurde, gemeinsam eine falsche Linie zu benennen. Das Ergebnis: es blieben nur noch ein Viertel übrig, die öffentlich zu ihrer richtigen Wahrnehmung standen. Der Rest schloss sich der allgemeinen falschen Meinung der Mehrheit an.

Das Experiment zeigt, wie groß die Angst sein muss, zu einer Minderheit zu gehören oder gar in die Rolle des Außenseiters zu geraten. Wir wollen unbedingt die Mehrheit hinter uns haben, auch wider besseres Wissen. Das wirft ein bezeichnendes und nicht gerade ermutigendes Licht darauf, wie es um unsere vermeintliche Selbständigkeit und Individualität bestellt ist. Und die Frage stellt sich, an wem oder was orientieren wir uns? Ist es der jeweilige Zeitgeist, der Mainstream, dem wir uns verpflichtet wissen, um bloß nicht ausgeschlossen zu werden oder gibt es zuverlässigere Wegweiser in unserem Leben?

In diesen Monaten rückt wieder die Passion Jesu in das Zentrum unseres Nachdenkens. Wir hören von dem Mann aus Nazareth, der ganz aus dem Glauben lebte und so eine unfassbare Selbständigkeit hatte. Er blieb, trotz aller Anfeindungen, sich selbst treu. Er ging seinen Weg, auch als selbst seine Freunde und Anhänger ihn verlassen hatten, ihn verleugneten und verrieten. Er geriet schließlich in die äußerste Isolation, auch weil er sich bedingungslos auf die Seite der Isolierten gestellt hatte. Und doch ist das, wofür er einstand, nicht totzukriegen. Es hat ungezählte Menschen inspiriert und ermutigt, auch auf dem Weg der Liebe und Wahrhaftigkeit zu gehen. Furchtlos. Beharrlich. Aufrecht.

Es lohnt sich also, auf Jesus zu sehen, und nicht nach den, nur zu oft manipulierten, Mehrheiten zu schielen. Denn gerade heute braucht es wieder Menschen, die nicht Opportunisten sind, sondern die Überzeugungen haben und sie auch vertreten.

Herzlich

René Lammer, Pastor

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Herzlich

René Lammer, Pastor