Gottesdienste

Die Präsenz-Gottesdienste fallen vom 20.12. bis 10.01. aus.

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Der Name

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Es begab sich aber zu der Zeit….“ So beginnt die bekannteste Geschichte der Menschheit. Am Anfang und am Ende steht jeweils ein Name. Am Anfang der Name des Kaisers: Augustus. Der mächtigste Mann der damaligen Welt. Römischer Imperator, erfolgreicher als alle vor und nach ihm. Das römische Reich hatte seine größte Ausdehnung erreicht und die Bürgerkriege waren befriedet. Der Kaiser ließ sich als Erhabener, als Oberster Hohepriester, Vater des Vaterlandes und gar als Divi filius, „Sohn Gottes“ und Salvator, „Retter“ verehren.

Am Ende dieser Geschichte steht ein anderer Name, der Name eines Neugeborenen: Jesus. Diesen Namen hatte Maria durch einen Engel erfahren und so nannte sie ihren ersten Sohn. Dieses Kind wird draußen vor den Toren der Stadt zur Welt gekommen. Heimatlos, obdachlos, in einer Krippe. Bald schon werden seine Eltern mit ihm auf der Flucht sein. Ein Sinnbild der Ohnmacht. Aber die Engel sagen den namenlosen Hirten auf dem Feld: Euch ist heute der Salvator, der Retter, der Sohn Gottes geboren.

Der Kontrast des Anfangs und des Endes der Erzählung könnte stärker nicht sein. Er weist darauf hin: Gott macht seine Geschichte anders als wir Menschen. Nicht im Erhabenen, sondern im Niedrigen. Nicht im Vaterland, sondern in der Fremde. Nicht im Tempel, sondern im Stall. Er sucht dazu Menschen aus, die keinen Namen haben und sich auch keinen Namen machen wollen. Ihnen schenkt er einen Namen. Sagt ihnen: Ich rufe dich bei deinem Namen, fürchte dich nicht, du gehörst zu mir.

Der Name „Jesus“ bedeutet: Gott rettet. Und der Name ist ein Programm. Das Programm heißt: Gott rettet und nicht die Menschen. Auch nicht die größten, klügsten, und mächtigsten. Sie alle sind nicht mehr als eine Handvoll Staub. Sie können bestenfalls und meist auch nur wider Willen Erfüllungsgehilfen der Rettung werden. So wie Kaiser Augustus, der ein Gebot erließ, dass alle Welt sich schätzen ließe. Damit er seine Größe noch besser einschätzen und nebenbei auch noch effektiver Steuern eintreiben könnte. Aber somit, ganz ohne Wissen und Bewusstsein, die Geschichte, die weit mehr ist als eine Geschichte, sondern die Geschichte Gottes mit seiner Menschheit ist, ins Rollen brachte.

Worauf es nun ankommt ist, dass diese Geschichte auch unsere Geschichte wird. Dass wir sie uns als Narrativ wieder zu eigen machen und sie uns nicht nur ein wenig Rührseligkeit am Heiligen Abend beschert. Dass wir sie wirklich in der Tiefe begreifen und wirken lassen. Damit der Retter auch uns retten kann. Ja, auch uns, die wir gerade wieder einmal lernen, dass wir uns nicht selbst retten können. Dass wir, mehr denn je, in Finsternis und im Schatten des Todes wohnen, uns nach dem aufgehenden Licht nur sehnen können und danach, dass unsere Füße auf den Weg des Friedens gerichtet werden.

Herzlich

René Lammer, Pastor

Was hat Gott mit Corona zu tun?

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ist es Gott gewesen, der uns die Corona Pandemie geschickt hat? Oder lässt sich, aus der Perspektive des Glaubens heraus, der gegenwärtigen Krise wenigstens Sinn abgewinnen? Ich weiß, das sind verwegene Fragen, aber, was meinen Sie, warum gerade Verschwörungstheorien so eine Konjunktur haben? Auch deshalb, weil wir Menschen uns zu recht sehr schwer damit tun, Sinnlosigkeit zu akzeptieren. Und deshalb die berechtigte Frage: Lässt sich hinter dem Auftauchen des Virus, und wie wir Menschen weltweit damit umgehen, irgendein Sinn erkennen?

Es ist ja erstaunlich schweigsam diesbezüglich von offizieller kirchlicher Seite. Ein Kollege sagte neulich gar: Die Kirche muss ja nicht zu allem etwas sagen…. Tatsächlich nicht? Hat sie nur etwas zu Flüchtlingselend und Klimawandel zu sagen und uns jetzt vor allem über die neuesten Hygienemaßnahmen zu informieren?

Nun, ich bin sicher: Wir haben etwas mehr zur Sache und zur Seuche zu sagen. Und zwar zumindest zweierlei:

1. In Psalm 90 betet ein gläubiger Mensch: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Corona lässt sich als direkte Antwort auf diese Bitte verstehen. Denn Corona hat uns gelehrt, dass wir sterben müssen. So halten es gar 28 Prozent der deutschen Bevölkerung für gut möglich, im nächsten halben Jahr lebensgefährlich an dem Virus zu erkranken. Das ist zwar tatsächlich mehr als unwahrscheinlich, aber es ist doch gut und richtig, wenn wir uns unserer Endlichkeit bewusst werden, anstatt den Tod permanent zu verdrängen. Als käme er „irgendwann“ einmal… Übrigens, der Psalmist betet: Lehre uns bedenken….damit wir klug werden. Also nicht panisch werden, nicht ängstlich werden, nicht depressiv werden, sondern klug. Und das heißt: Dass wir uns vom Unsterblichkeitswahn verabschieden. Es bedeutet: Die Zeit, die uns gegeben ist, sinnvoll zu nutzen. In der Gegenwart bewusst zu leben. Zu tun, was zu tun ist. In Ordnung zu bringen, was in Ordnung zu bringen ist. Heute noch!

2. In der Bibel wird berichtet, dass Gott zehn Plagen über Ägypten schickt. Damit der Pharao, der aus Angst und Machtgier die hebräischen Knaben tötete, zur Einsicht käme und die Sklaven in die Freiheit entließe. Mit den Plagen wird also Druck gegen den mächtigen Herrscher aufgebaut. Die Plagen fangen ziemlich harmlos an, steigern sich aber mit der Zeit, weil der Pharao uneinsichtig bleibt. Erst als der erstgeborene Sohn in jeder ägyptischen Familie stirbt, lässt er das unterdrückte israelitische Volk ziehen. Und ändert dann doch wieder seine Meinung, jagt den entflohenen Sklaven nach und ersäuft mit Ross und Reiter im Roten Meer.

Warum sollte denn Corona nicht eine dieser noch vergleichsweise (!) harmlosen Plagen sein? Damit wir zur Einsicht kommen. Damit wir – siehe oben – klug oder wenigstens ein bisschen klüger werden. Und begreifen: Wir sind endliche Wesen auf einem endlichen Planeten und die angemessene Haltung, die wir einnehmen sollten, ist die der schlichten Demut. Demut gegenüber dem Schöpfer und Respekt gegenüber den Mitgeschöpfen. So könnte die Plage uns helfen, den Hochmut, der bekanntlich vor dem Fall kommt, zu verlieren. Und zur grundlegenden Erkenntnis führen: Lives matter!

Herzlich

René Lammer, Pastor

Wer etwas zu sagen hat

Liebe Leserin, lieber Leser,

Paulus hat etwas zu sagen. Er sagt es im Gespräch unter vier Augen. Er sagt es auf dem Marktplatz. Er sagt es in seinen Briefen. Seine Briefe sind offene Briefe. Sie werden in den Gemeinden vorgelesen und diskutiert. Man schreibt sie ab, über Kuriere verteilt man sie weiter. Bald ist ihr Inhalt im ganzen römischen Reich bekannt. Der offene Brief ist in der antiken Welt ein effektives Kommunikationsmittel. Es sind die von Hand geschriebenen Briefe des Paulus, die die Welt verändern.

Martin Luther hat etwas zu sagen. Er sagt es in vertraulichen Gesprächen. Er sagt es in öffentlichen Lehrveranstaltungen. Er sagt es in hunderten von Schriften. Die neu erfundene Gutenbergpresse verbreitet seine theologischen Erkenntnisse rasend schnell im ganzen Deutschen Reich. Der Druck mit wechselnden Lettern ist ein bahnbrechendes Kommunikationsmittel. Es sind die gedruckten Schriften Luthers, die die Welt verändern.

Wir haben etwas zu sagen. Bei den Besuchen in den Häusern der Menschen. In den Gottesdiensten. In den neuen sozialen Netzwerken. Mit E-Mail und Chat, Homepage und YouTube Botschaften. Das Internet ist ein revolutionäres Kommunikationsmittel. Es verändert die Welt. Verändern auch wir die Welt mit mit unserer Botschaft in den digitalen Medien?

Schon klar: Was Paulus, was Luther, was wir zu sagen haben, ist das Entscheidende. Nicht, welche Mittel wir dafür nutzen. Aber wenn wir etwas zu sagen haben, dann sollte uns jedes Mittel recht sein. Auch, wenn nicht jedes Mittel heute jeden erreicht. Was haben wir heute zu sagen? Es ist dasselbe, was Paulus und die Reformatoren vor uns gesagt haben. Es kommt nicht aus uns. Wir haben es gehört, wir haben es geglaubt und wir haben es weiterzugeben. So gut wir können. Es mag mehr oder weniger überzeugend sein. Aber es ist dieselbe Botschaft, die die Welt sich nicht selbst sagen kann und ohne die die Welt sich selbst überlassen bleibt. Ohne die die Welt in Angst, in Lüge, in Misstrauen zu torkeln beginnt. Und in Verschwörungstheorien versinkt. Was wir weitergeben ist die Botschaft von Kreuz und Auferstehung, es ist die Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes. Die haben wir zu hören, zu verstehen und weiterzusagen. Damit jeder sie hört, sie versteht und weitersagt. Und so selbst zu einem lebendigen Brief Christi wird.

Herzlich

René Lammer, Pastor

Aktuelles

Aus aktuellem Anlass:

Glaube in Zeiten von Corona

Video Beiträge "Glauben in Zeiten der Corona-Krise" aus den Gemeinden Northeim und Angerstein sind auf unserem Youtube Kanal zu finden: Bitte teilt den Link und bitte kommentiert - direkt unter dem Video, per Mail oder Telefon. Wir sind für euch da!
Herzlich

René Lammer, Pastor