Furchtlos. Beharrlich. Aufrecht.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Liebe Leserin, lieber Leser, Die Grafik in der Mitte ist denkbar schlicht. Auch die Aufgabe, die der Psychologe Solomon Asch dazu stellte: Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, welcher der drei rechten Balken gleich hoch wie der linke Balken wäre. Wenn Sie jetzt nicht die falsche Brille aufhaben, werden Sie auch zu den 95 Prozent gehören, die sagen: der rechte,, selbstverständlich.

Das Besondere des Experiments war allerdings, dass man die gleiche Frage dann Probanden stellte, die sich in einer Gruppe befanden, die vorher instruiert wurde, gemeinsam eine falsche Linie zu benennen. Das Ergebnis: es blieben nur noch ein Viertel übrig, die öffentlich zu ihrer richtigen Wahrnehmung standen. Der Rest schloss sich der allgemeinen falschen Meinung der Mehrheit an.

Das Experiment zeigt, wie groß die Angst sein muss, zu einer Minderheit zu gehören oder gar in die Rolle des Außenseiters zu geraten. Wir wollen unbedingt die Mehrheit hinter uns haben, auch wider besseres Wissen. Das wirft ein bezeichnendes und nicht gerade ermutigendes Licht darauf, wie es um unsere vermeintliche Selbständigkeit und Individualität bestellt ist. Und die Frage stellt sich, an wem oder was orientieren wir uns? Ist es der jeweilige Zeitgeist, der Mainstream, dem wir uns verpflichtet wissen, um bloß nicht ausgeschlossen zu werden oder gibt es zuverlässigere Wegweiser in unserem Leben?

In diesen Monaten rückt wieder die Passion Jesu in das Zentrum unseres Nachdenkens. Wir hören von dem Mann aus Nazareth, der ganz aus dem Glauben lebte und so eine unfassbare Selbständigkeit hatte. Er blieb, trotz aller Anfeindungen, sich selbst treu. Er ging seinen Weg, auch als selbst seine Freunde und Anhänger ihn verlassen hatten, ihn verleugneten und verrieten. Er geriet schließlich in die äußerste Isolation, auch weil er sich bedingungslos auf die Seite der Isolierten gestellt hatte. Und doch ist das, wofür er einstand, nicht totzukriegen. Es hat ungezählte Menschen inspiriert und ermutigt, auch auf dem Weg der Liebe und Wahrhaftigkeit zu gehen. Furchtlos. Beharrlich. Aufrecht.

Es lohnt sich also, auf Jesus zu sehen, und nicht nach den, nur zu oft manipulierten, Mehrheiten zu schielen. Denn gerade heute braucht es wieder Menschen, die nicht Opportunisten sind, sondern die Überzeugungen haben und sie auch vertreten.

Herzlich

René Lammer, Pastor

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