Angedacht

Mitte der 70er Jahre fing ich an, in Göttingen zu studieren. Der Reitstall war wenige Jahre zuvor gegen den massiven Protest der Bürger abgerissen worden. Am Eingang des Universitätscampus erinnerte nur noch ein sonderbar verloren wirkender Bogen an das einstige barocke Stadtviertel.
Die Gebäude des Reitstall-Viertels waren nicht die letzten historische Bauwerke, die dem Abrissbagger zum Opfer fielen. Es folgten weitere Fachwerkhäuser in der Innenstadt. Gleichzeitig entwickelte sich allerdings auch der Widerstand gegen diese Form der Stadtsanierung. Vor allem Studenten gingen auf die Straße, protestierten, besetzten Häuser.
Vordergründig ging es um den Erhalt preiswerten Wohnraums. Aber es steckte mehr dahinter: Wir spürten damals, mit der Zerstörung historischer Bausubstanz würden Göttingen wie viele andere Städte immer mehr seinen unverwechselbaren Charakter verlieren. Der viele neue Beton ließ die Welt mehr und mehr gesichtslos erscheinen. Er war wie das äußere Zeichen einer kalten, erinnerungslosen Epoche, in der reibungsloses Funktionieren die höchste Priorität hatte.
Zehn Jahre später wäre niemand wieder auf die Idee gekommen, eine solche Kahlschlagpolitik zu befürworten und seitdem hat Göttingen sein äußeres Erscheinungsbild nur noch wenig geändert. Zum Glück! Denn ich bin davon überzeugt: Wir Menschen brauchen, auch durch die Architektur, eine Verbindung zu unserer Geschichte. Damit wir sinnlich wahrnehmen können: Vor uns lebten hier viele Jahrhunderte lang auch schon Menschen. Von den allermeisten kennen wir längst nicht mehr ihre Namen, auch nicht ihre Gesichter. Aber wir teilen einen gemeinsamen Raum, leben in dem, was sie vor uns schufen.
Auch deshalb laden wir am 9. September nach Angerstein zum Mittelalterfest. Wir wollen etwas von dem Leben damals spielerisch neu ins Leben rufen, Geschichte erlebbar machen. Und gleichzeitig zum Ausdruck bringen: Das Leben ist nur dann lebenswert, wenn wir es in Gemeinschaft leben. Wenn aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird. Wenn wir aufeinander achten, aufeinander zugehen, untereinander teilen.
Dabei werden wir uns, bei allem Spaß, der nicht zu kurz darf, auch daran erinnern: Vor etwa 500 Jahren endete die Zeit, die wir heute als das Mittelalter bezeichnen. Nicht zuletzt mit der Reformation begann eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte, sie prägt unser Denken und unsere Werte bis auf den heutigen Tag. Ohne Luther, Zwingli und Calvin wäre der Aufbruch in die Neuzeit nicht geschehen. Durch die reformatorische Bewegung rückten die Werte von Gleichheit und Freiheit, Vernunft und individueller Verantwortlichkeit mehr und mehr in den Vordergrund.
Das Verblüffende: Es begann etwas grundlegend Neues, indem sich die Reformatoren auf etwas Vergangenes besannen. Sie studierten in der Bibel, sie gingen an die Wurzeln des Christentums und gewannen so die Kraft, Kirche und Gesellschaft von Grund auf zu erneuern. So überwanden sie verkrustete Strukturen und schafften dem lebendigen Geist neuen Raum. Das ist doch eine Vorgabe - an ihr wollen wir uns auch heute orientieren!

René Lammer, Pastor

 

Freiwilliges Kirchgeld

Wir bitten Sie auch in diesem Jahr wieder um ein freiwilliges Kirchgeld für Ihre Kirchengemeinde. Mit dieser Bitte richten wir uns vor allem an Personen, die nicht zur Kirchensteuer herangezogen werden.
Das Kirchgeld 2015 haben wir verwendet, um u.a. einen Schaukasten für das Gemeindehaus, zu erwerben. Im kommenden Jahr sind wieder Reparatur- und Erweiterungsarbeiten am Gemeindehaus nötig. So wollen wir einen barrierefreien Zugang zum Gemeindehaus ermöglichen.
Bitte überweisen Sie unter dem Stichwort "Freiwilliges Kirchgeld" auf folgendes Konto:
Ev.-ref. Kirche Northeim, IBAN DE82 2625 0001 0000 0027 82.
Bis 100.- Euro gilt der Bankbeleg als Quittung. Wir stellen selbstverständlich auch Spendenbescheinigungen aus.